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Psychoterror - Was Chefs gegen Mobbing tun können

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Fast jeder zweite Mobbingfall spielt sich im Job ab - mit möglichen gesundheitlichen Folgen für das Opfer und finanziellen Konsequenzen für das Unternehmen. So können Arbeitgeber einschreiten.

 

Erst hatte sie nur das Gefühl, dass die Kollegen hinter ihrem Rücken tuschelten. Dann setzte sich in der Kantine niemand mehr zu ihr. Und schließlich machte das Team immer sie allein verantwortlich, wenn etwas schiefgelaufen war.

Psychoterror am Arbeitsplatz ist kein Einzelfall: 60 Prozent der Arbeitnehmer machten bereits Erfahrungen mit Mobbing, wie eine Studie des Büroherstellers Viking und des Meinungsforschungsinstituts Onepoll mit 1000 Befragten feststellte. 24 Prozent erlebten demnach selbst Mobbing in der Firma, 37 Prozent waren Zeugen einer solchen Schikane.

Die jüngste Mobbingstudie des Bündnisses für Cybermobbing kommt unter anderen zu folgenden fünf Schlussfolgerungen:

  1.     57 Prozent der Vorfälle finden in Deutschland am Arbeitsplatz statt.
  2.     Opfer von Mobbing und Cybermobbing weisen jährlich etwa 50 Prozent
        mehr Krankheitstage auf als nicht betroffene Beschäftigte.
  3.     Die Kosten für Unternehmen durch Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall
        steigen auf fast 5 Mrd. Euro in Deutschland.
  4.     Mobbingopfer wechseln doppelt so häufig ihren Arbeitsplatz.
  5.     Im Arbeitsumfeld werden als Ursachen vor allem ein konkurrenzorien-
        tiertes Arbeitsumfeld und starre Hierarchien identifiziert.

Erfahren Chefs von Mobbing in ihrem Unternehmen, müssen sie eingreifen, da für sie die Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern gilt. Der Referent des Bündnisses gegen Cybermobbing, Moritz Scherzer, gibt drei Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber.

1. Das Gespräch mit den Mobbern
    suchen

Chefs sollten den Mobbern klarmachen, dass ihr Verhalten nicht unbemerkt bleibt – und bei Fortsetzung schwere Konsequenzen drohen. Das könnten eine Abmahnung oder eine Versetzung sein – oder gar die Kündigung. Wichtig dabei: Die Mobber sollten nicht den Eindruck bekommen, der Chef sei vom Betroffenen geschickt worden. Im Umgang mit diesem gilt zudem: Unbedingt dessen Sorgen ernst nehmen. Der Mitarbeiter darf nicht das Gefühl haben, der Chef unterstütze insgeheim die Mobber-Gruppe.

2. Notfalls professionelle Hilfe
    holen

Zunächst können Arbeitgeber den betroffenen Mitarbeiter zum Beispiel vorübergehend freistellen. Dieser muss dann zumindest nicht täglich mit Bauch-
schmerzen zur Arbeit kommen. Löst diese Atempause das Problem nicht, sollten Chefs sich professionelle Hilfe von außen holen – etwa einen Schlichter zur Klärung der Situation oder einen Psychologen zur Unterstützung des Opfers. Darüber hinaus sollten Arbeitgeber sich selbst hinterfragen: Gibt es grundsätzliche Unzufriedenheiten im Betrieb und lassen Mitarbeiter ihren Frust darüber am Gemobbten ab? Dann müsste sich möglicherweise mehr ändern als die Lösung des akuten Problems.

3. Präventionsmaßnahmen ergreifen

Der beste Schutz vor Mobbing am Arbeitsplatz ist ein gutes, kollegiales Betriebsklima mit einem respektvollen Umgang untereinander. Das Bündnis gegen Cybermobbing schlägt vor, intern für das Thema zu sensibilisieren – etwa durch eine Unternehmensleitlinie, der zufolge Mobbing nicht geduldet wird. Auch Betriebsvereinbarungen zum Umgang mit Konflikten haben sich demnach bewährt. Ferner können Unternehmen einige Mitarbeiter für den Umgang mit Mobbingvorfällen schulen, so dass sie Ansprechpartner für Opfer sein können.

Link zum Artikel:

https://www.capital.de/karriere/was-chefs-gegen-mobbing-tun-koennen

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