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Was Schulen gegen Cybermobbing tun können.

Erstellt von N.N | |   Aktuelles

Präventionsarbeit auf allen Ebenen

Cybermobbing und Gewalt im Netz bekommen immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dadurch wird ersichtlich, dass es sich um ein weitverbreitetes
Problem in der ganzen Gesellschaft handelt. Aber vor allem Kinder und Jugendliche sind davon betroffen.

Mobbing ist kein neuartiges Problem, das hat es schon immer gegeben, aber der
technologische Fortschritt hat neue Möglichkeiten geschaffen, Mobbing auf
anderer Ebene fortzuführen und zwar im Internet. Es gibt einige Unterschiede
zwischen dem konventionellen Mobbing und Cybermobbing. Die Opfer sind 24
Stunden und an jedem Ort erreichbar. Durch das Smartphone, Tablet oder
Computer haben die Kinder und Jugendliche 24 Stunden Zugang zum Internet
und sind somit immer und überall zu erreichen. Auch haben die
verleumderischen Kommentare oder Bilder eine viel weitere Reichweite. Ein Foto,
dass im Internet hochgeladen wird, kann millionenfach geteilt werden. Durch die
Anonymität im Netz, weiß das Opfer oftmals nicht von wem die Angriffe stammen
und kann sich nicht wehren. Außerdem sinkt die Hemmschwelle, da man dem
Opfer nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht.


Zunehmend wird klar, dass Cybermobbing keine Hänseleien unter Kinder ist,
sondern ein ernstzunehmendes Problem, das psychische Langzeitschäden bei
Kindern und Jugendlichen sowie Erwachsenen hinterlassen kann oder gar zum
Selbstmord führt.


Schulen handeln oft erst, wenn es tatsächlich einen akuten Fall gibt. Dann werden
Maßnahmen ergriffen. Aber das Problem bei Cybermobbing ist, dass man die
angerichteten Schäden nicht mehr rückgängig machen kann. Oft bleibt den
Opfern nichts Anderes übrig, als die Schule zu wechseln und zu hoffen, dass sie an
der neuen Schule Freunde finden und nicht wieder gemobbt werden. Aber das
Misstrauen und die Angst davor neue Freunde kennenzulernen und ihnen zu
vertrauen ist groß. Ein Beispiel, das gut beschreibt, wie sich Cybermobbingopfer
fühlen ist in dem Buch Wir erheben unsere Stimme gegen Cybermobbing zu
finden:

Angst ohne Angesicht – Antonia, S. 24:


“In meiner neuen Schule gab es einen Vortrag über Cybermobbing. Was für ein
Zufall, hab ich mir gedacht. Ich bin natürlich rein. Die Frau, die den Vortrag
gehalten hat, hat erzählt, dass das Opfer von Cybermobbing wie ein glattes Blatt
Papier ist, das von den Tätern zusammengeknüllt wird und von Eltern,
Therapeuten oder Lehrern wieder glatt gestrichen wird. Danach hat sie gesagt,
dass das Blatt zwar wieder glatt ist, aber nie wieder so glatt wie ein Papier, das
noch nie zusammengeknüllt wurde.”


An diesem Beispiel wird klar, dass Cybermobbing nicht rückgängig gemacht
werden kann, deshalb ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche schon in der
Grundschule lernen, was sie mit Worten und Bildern auslösen können. Sie müssen
lernen, dass die Anonymität des Internets ihnen neue Freiheiten gibt, aber dass
sie dafür auch Verantwortung übernehmen müssen. Den Schülern und
Schülerinnen muss also klargemacht werden, was sie durch Mobbing im Internet
anrichten können, was es für Folgen für das Opfer, aber auch für den Täter haben
kann.


Cybermobbing ist eine Form von Gewalt, die erhebliche Konsequenzen
haben kann. Viele beginnen Cybermobbing aus Spaß und wissen oft
gar nicht, was sie damit anrichten können.


Ein großes Anliegen des Bündnisses ist es ein Cybermobbing-Gesetz zu fordern. In
Österreich gibt es seit 2016 schon ein solches Gesetz. Auslöser für dieses Gesetz
war unter anderem der Selbstmord eines Jungen, der im Internet gemobbt wurde.
Es ist zu hoffen, dass es in Deutschland nicht bis zu einem solch schrecklichen
Ereignis kommen muss, damit die Politik reagiert.


Nicht nur die Politik sollte handeln, sondern auch Schulen können
Präventionsarbeit leisten und somit das Problem Cybermobbing eindämmen.
Viele Schulen führen zwar schon Präventionsarbeit in diesem Bereich durch, aber
noch nicht in einem ausreichenden Maße. Oftmals besteht die Präventionsarbeit
aus einzelnen Workshops oder Fortbildungen, aber es werden nicht langfristige
und nachhaltige Maßnahmen eingeführt. Deshalb ist nun die Bildungspolitik
gefragt, neue Rahmenbedingungen für die Ausbildungs- und Erziehungssituation
zu schaffen. Kinder und Jugendliche müssen mehr als bisher über die Gefahren
und Risiken, aber auch Chancen und Nutzen des Cyberspace aufgeklärt und
sensibilisiert werden. Außerdem sollte Medienerziehung bereits im Kindergarten
stattfinden und in die Schulen implementiert werden.

Wie sollte eine nachhaltige Präventionsarbeit in Schulen aussehen?


Mit einem Schülerworkshop oder einer Intervention bei einem akuten Fall ist es
nicht getan. Punktuelle Maßnahmen geraten in kürzester Zeit wieder in
Vergessenheit. Deswegen ist es unerlässlich ein nachhaltiges Programm zu
entwickeln und in den Schulalltag zu integrieren. Es reicht nicht aus die Schüler
und Schülerinnen zu sensibilisieren. Ein weiterer Schwerpunkt sollte bei den
Eltern und Lehrkräften liegen. Cybermobbing ist nicht nur ein schulisches
Problem, sondern es betrifft die ganze Gesellschaft.


Vor allem Lehrern und Eltern fällt eine besondere Aufgabe zu, wenn es um das
Thema Cybermobbing geht. Daher ist es unvermeidlich eine verbesserte
Lehrerfortbildung in diesem Bereich anzubieten. Auch müssen gute
Unterrichtsmaterialien oder Module erstellt werden, damit einerseits einen
verantwortungsvolleren Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken
vermittelt werden kann und andererseits aber auch bei akuten Vorfällen
angemessen reagiert werden kann.

Cybermobbing hört nicht von alleine auf. Viele Erwachsene, aber auch
Jugendliche, fühlen sich überfordert bei Cybermobbing Vorfällen und wissen
nicht, wie sie handeln sollen. Lehrkräfte können oftmals frühzeitig eingreifen,
bevor der Schaden entstanden ist. Aber dafür müssen sie aufmerksam sein, die
Anzeichen bei den Schülern und Schülerinnen erkennen können und auch wissen,
was für Maßnahmen sie ergreifen können. Wichtig ist aber auch, dass sich die
Lehrkräfte schützen können. Die Berichte über die Gewalt gegen Lehrer und
Lehrerinnen von Seitender Schülerinnen und Schüler, aber auch von den Eltern
häufen sich in letzter Zeit. Oft findet diese Gewalt in Form von Cyber-mobbing
statt. Es werden unvorteilhafte Bilder hochgeladen, Gerüchte in WhatsApp-
Gruppen verbreitet, etc.


Präventionsarbeit sollte schon in der Grundschule beginnen, Kinder kommen
immer früher in Kontakt mit sozialen Medien. Ohne eine richtige Anleitung, wie
diese genutzt werden sollten, kann das sehr gefährlich sein. Das Problem ist, dass
Lehrkräfte und Eltern nicht mit den neuen Medien aufgewachsen sind und sich
somit oftmals nicht so gut damit auskennen. Viele wissen nicht was Kinder und
Jugendliche im Netz machen und was für Möglichkeiten, aber auch Gefahren es
dort gibt.


Deshalb hat das Bündnis gegen Cybermobbing e.V. ein ganzheitliches
Präventionsprogramm entwickelt, das Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen und
Eltern miteinschließt.


Das Präventionsprogramm „Wir alle gegen Cybermobbing“ besteht aus drei
Phasen. Die erste Phase ist eine Lehrerfortbildung, dann findet eine
Impulsveranstaltung für Schüler und Schülerinnen statt sowie eine Vertiefung des
Themas über mehrere Wochen durch die Lehrkräfte. Zuletzt gibt es einen
Elternabend, bei dem die Eltern über Cybermobbing informiert werden.
Das Besondere an diesem Präventionsprogramm ist, dass die teilnehmenden
Schulen, nach der erfolgreichen Durchführung, kostenlos in akuten Fällen durch
qualifizierte Mitarbeiter über die HelpLine des Bündnisses beraten werden.
Außerdem besteht für die Schulen die Möglichkeit das Zertifikat „Wir alle gegen
Cybermobbing“ zu erhalten und damit zu zeigen, dass sie sich aktive gegen
Cybermobbing einsetzen.


Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Bündnisses gegen
Cybermobbing:
www.buendnis-gegen-cybermobbing.de/schulen/wir-alle-gegencybermobbing.
html


Aktuell wird dieses Präventionsprogramm an Schulen in mehreren Bundesländern
durchgeführt. Aber Schulen in Baden-Württemberg haben die Möglichkeit, dank
der Förderung durch die Stiftung für Bildung und Soziales der Sparda-Bank
Baden-Württemberg, sich kostenfrei für dieses Programm zu bewerben.


Dazu muss lediglich das Bewerbungsformular auf der Webseite ausgefüllt werden:
www.buendnis-gegen-cybermobbing.de/schulen
/bewerbungsformular.html


Das Ziel ist es die Präventionsarbeit fest in den Schulen zu etablieren. Damit
Schüler und Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern laufend in der Thematik
Cybermobbing und Gewalt im Internet geschult werden. Es geht nicht darum,
Angst vor dem Netz auszulösen, sondern die Menschen für die Gefahren zu
sensibilisieren, damit sie sich davor schützen können. Das Internet und die
sozialen Netzwerke haben auch viele positive Möglichkeiten geschaffen. Die Frage
ist also nicht, ob das Internet gut oder schlecht ist, sondern wie wir am besten
lernen mit diesen neuen Möglichkeiten und Gefahren im Netz umzugehen.

 

Vielen Dank an das wissensschule.de-Team für diesen super Artikel über unser Präventionsprogramm.

Link (Stand 08.05.2019): www.wissensschule.de/was-schulen-gegen-cybermobbing-tun-koennen/

 

 

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