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Ratgeber für Lehrer & Erzieher bei Cybermobbing

Erste Hilfe Broschüre

Unsere Erste Hilfe Broschüre für Lehrer als pdf

 

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing - Die Tränen, die geweint werden, sind echt!

Cybermobbing- beleidigt, gehänselt, bedroht oder lächerlich gemacht, indem z.B. intime oder peinliche Fotos oder Videoclips in sozialen Netzwerken, über Videoplattformen oder Chatrooms verbreitet werden, die wie an einem schwarzen Brett für hunderttausende User einsehbar sind. Besonders unangenehm: Es können auch die besten Freunde oder sogar Lehrer, Eltern oder Arbeitgeber mitbekommen, dass sich Hassgruppen gegenüber einem Jugendlichen gebildet haben oder gefakte Nacktfotos in Chatrooms oder sozialen Netzwerken wie Facebook, Wer kennt wen etc. kursieren. Oft wissen die Opfer nicht, wer dahinter steckt- es könnte auch ein angeblich guter Freund oder der Tischnachbar in der Klasse mitmachen - d.h. oft schwindet durch Cybermobbing auch das Vertrauen in Freundschaften!

Das besonders perfide gegenüber traditionellem Mobbing in der Schule ist: Das Opfer hat keine Chance zu entkommen, denn die Täter kommen bis ins Kinderzimmer. Die Folge: Opfer von Cybermobbing können sich nicht mehr entziehen, finden keinen Schutzraum mehr, denn selbst ein Umzug oder ein Schulwechsel, was in harten Fällen teils geschieht, nützt nichts - Internet und SchülerVz sind überall! Und: Nichts, was einmal im Netz steht, kann wieder gelöscht werden - jedes peinliche oder gefakte Foto, jegliche falschen Profilinhalte über sexuelle Vorlieben, Geilheit auf einen bestimmten Lehrer etc. können auch Jahre nachdem Cybermobbing stattgefunden hat, z.B. in der Google Suchmaschine der aktuellen Freunde, Ehepartner oder Arbeitgeber auftauchen. Die Traumatisierung eines Opfers ist deshalb in manchen Fällen von Cybermobbing höher als bei Mobbing, das nur in der Schule passiert.

Sensibilisierung ist wichtig- seitens der Täter, damit sie lernen, was sie dem Opfer antun, aber auch seitens der Opfer: Gegen Cybermobbing muss man sich zur Wehr setzen und die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden, denn Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt! Leider wissen die wenigsten über die strafrechtlichen Folgen Bescheid und vielfach wird Cybermobbing noch nicht ernst genug genommen. Viele Schulen, Eltern, aber auch Polizei oder Staatsanwaltschaft, wissen außerdem häufig nicht, wie mit diesen Fällen umgegangen werden soll - das muss sich ändern!

  • Gerüchte oder Lügen über jemanden verbreitet werden
  • Personen beleidigt oder gehänselt werden
  • Personen nicht beachtet oder von Gesrächen, Cliquen oder facebookgruppen ausgeschlossen werden
  • Jemand erpresst oder bedroht wird
  • Peinliche, unangenehme oder intime Fotos einer Person ohne ihr Wissen verbreitet werden
  • Hassgruppen in sozialen Netzwerken gegen eine Person gegründet werden
  • Gefälschte Profile einer Person werden in den sozialen Netzwerken verbreitet

Woran erkennbar?

Cybermobbing ist keinesfalls ein Problem, welches sich auf das Privatleben beschränkt. Immer häufiger wird auch die Schule zum Schauplatz von Cybermobbing; sowohl Lehrpersonal als auch Schülerinnen und Schüler werden öffentlich an den Pranger gestellt. Gerade Portale wie „Spickmich“, in dem Schüler „den Spieß umdrehen“ und ihre Lehrer benoten, zeigen auf, wie leicht auch Lehrerinnen und Lehrer öffentlich – ob nun positiv oder negativ – dargestellt werden können.

Laut einer Online-Studie der GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) aus dem Jahr 2007 sind bereits acht Prozent der Lehrer in Deutschland von Cybermobbing betroffen. Dabei kommt es nicht auf das Alter oder das Geschlecht an, ein Opferprofil lässt sich nicht so einfach erstellen. Was die Täter angeht, so lässt sich zumindest feststellen, dass sie zu 70 Prozent männlich und zwischen elf und 20 Jahre alt sind. Es gibt zwar auch einige Fälle, in denen Cybermobbing zwischen Kollegen stattfindet, das Mobbing an Lehrern wird allerdings hauptsächlich von Schülern betrieben. Es sollte dennoch nicht außer Acht gelassen werden, dass ein Großteil der Mobbing-Opfer vor allem Schüler sind und dass Mobbing vorrangig zwischen Gleichaltrigen stattfindet.

Die Opfer von Cybermobbing empfinden zunächst hauptsächlich Wut und Verunsicherung, in einigen Fällen auch Angst. Häufig ist zunächst nicht klar, wer der Angreifer aus dem Hinterhalt eigentlich ist. Stellt sich heraus, wer hinter der Schikane steckt, so hat das meist keine gravierenden Folgen für den Täter (keine Strafanzeige/kein Schulverweis). Jedoch bleiben ein Gespräch mit Lehrer und der Schulleitung sowie eine (für Schulen übliche) Bestrafung in der Regel nicht aus.

Was ist strafbar?

Obwohl es kein eigenes Gesetz gegen Cybermobbing gibt, fallen bestimmte Formen von Cybermobbing unter andere Strafgesetze: Cybermobbing ist also strafbar! Schau dir folgende Fälle von Cybermobbing an, bei denen es sich um Straftaten handelt:

  • Wenn jemand Gewalttätigkeiten gegen eine Person mit dem Handy filmt ( Verprügelungen etc.) und z.B. über Youtube oder unter den Schülern per Bluetooth verbreitet werden. Und wenn jemand animierte Gewaltvideos um Bilder der gemobbten Person ergänzt und dann z.B. auf www.youtube.de hochgeladen werden. (StGB § 131 Gewaltdarstellung)
  • Wenn sich Kinder in Internetforen/-gruppen beleidigen, Gruppen bei www.facebook.de mit Aufruf zur Hetze gegen eine Person aufrufen, gefälschte Profile mit heftigsten Beleidigungen von Mitschülern bei www.schuelervz.de oder www.facebook.de eingestellt werden, wüste Beleidigungen auf die Pinnwand einer Person geschrieben werden, sich Hassgruppen bilden, in denen eine Person von allen anderen fertig gemacht wird und Lügen sie verbreitet werden. Videos/Fotos einer Person werden mit vollem Namen und beleidigendem Zusatz ins Internet gestellt. (Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung StGB §185,186, 187)
  • Vielfach liegt bei Cybermobbing ein Fall von Körperverletzung vor, wegen der massiven Gesundheitsschädigung und negativen psychischen und seelischen Folgen. (Körperverletzung StGB § 223)
  • Wenn einer Person Morddrohungen oder Drohungen mit Körperverletzung über Chatrooms oder soziale Netzwerke wie Facebook geschickt werden. Oder wenn Selbst getextete Lieder oder Musikstücke, die Drohszenarien schildern gefilmt werden und z.B. bei www.youtube.de eingestellt werden. (StGB Nötigung §240)
  • Psychoterror durch Zusenden von bedrohenden, beleidigenden SMS, Emails rund um die Uhr. (StGB Nachstellung §238)
  • Fotos aus dem intimen Bereich oder peinliche, unangenehme Fotos werden online gestellt. (StGB Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches § 201)
  • Heimliche Foto-/Filmaufnahmen während des Unterrichts von Mitschülern, Lehrern, während Freizeitaktivitäten etc. werden ins Internet hochgeladen. Es herrscht diesbezüglich keinerlei Unrechtsbewusstsein vor – wird eher als Kavaliersdelikt gesehen. Problematisch bei der Online-Stellung ist zudem, dass die Fotos in der Regel nicht mehr endgültig gelöscht werden können. Schnelles Handeln (Antrag auf einstweilige Verfügung) ist geboten, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Oftmals erfährt die abgebildete Person aber auch erst viel zu spät davon, dass ihr Foto im Internet zu sehen ist. (Recht am eigenen Bild, KunstUrhG §22, 33)

Was können Schulen bei Cybermobbing tun?

Wird ein Cybermobbing-Fall bekannt, so muss die Schule – die Schulleitung oder der Klassensprecher – unverzüglich reagieren.

Dabei sind folgende Fragen abzuklären: 

  • Was ist konkret vorgefallen?
  • Welche Personen sind beteiligt?
  • Wie schwer ist das Delikt?

Folgendes ist besonders wichtig:

  • Reden Sie mit den Beteiligten: Opfer und Täter
  • Geben Sie den Opfern eine Lobby! Es muss klar sein, dass Sie an der Schule  versuchen den Täter zu finden diesen zu sanktionieren, um dem Opfer zu helfen.
  • Eltern der betroffenen Parteien kontaktieren. Diskutieren Sie mit den Eltern die Vorfälle und versuchen Sie Hintergründe und Motive des Cybermobbers herauszufinden.
  • Alle Eltern Informieren: Einen Elternabend veranstalten. Eltern haben oft keine Vorstellung davon, was Cybermobbing eigentlich ist und sind sich der möglichen Tragweite solcher Vorfälle nicht bewusst.
  • In der Schule thematisieren: Auf keinen Fall darf Cybermobbing totgeschwiegen werden. Jeder Vorfall muss als Chance genutzt werden, um Aufklärung zu betreiben: Wie fühlt man sich als Opfer? Welche Motive haben der oder die Täter? Konkrete Fälle können als Anlass genommen werden, um präventive Maßnahmen umzusetzen. Das klicksafe Modul “Was tun bei Cybermobbing” bietet eine Fülle von Ideen, wie die Problematik im Unterricht thematisiert werden kann.  Hier geht es zum Download
  • Die Lehrer einbeziehen: Neben der Arbeit mit Opfern und Tätern ist es sinnvoll, die Lehrer einzubinden und Weiterbildungsmöglichkeiten (beispielsweise im Rahmen einer schulinternen Lehrerfortbildung) anzubieten, die dabei helfen, mit Cybermobbing-Vorfällen richtig umzugehen.
  • Umgang mit Internet und Handy regeln: Was ist erlaubt, was ist nicht erlaubt? Welche Sanktionen gibt es bei Missbrauch? Manchmal kann es schon zu einer Entspannung führen, wenn beispielsweise das Handy in der Zeit des Unterrichts abgeschaltet werden muss und dies in der Schulordnung geregelt ist. Auch die Klassenfahrt kann handyfrei gestaltet werden, wenn das Handy täglich zu einer festen Zeit (z.B. eine halbe Stunde vor dem Abendessen) für Kontakte mit der Familie genutzt werden kann.
  • Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter, Beratungslehrer kontaktieren: Diese sind in Cybermobbing-Fällen erfahren und können kompetent mit allen Beteiligten zusammenarbeiten und entsprechende Maßnahmen einleiten.

     

     

Prävention: Wie können Schulen vorbeugen?

  • Präventionsmanagement an Schulen: Insbesondere im Bereich der Bildung & Erziehung benötigen wir ein umfassendes Präventionsmanagement, das sich mit allen Akteuren, die in der Jugendarbeit tätig sind, befasst.  Damit sind zum einen die 3 wichtigsten Säulen der Präventionsarbeit gemeint, Eltern, Lehrer und Schüler selbst.

    Diesbezüglich ist die Bildungspolitik gefragt, sie ist gefordert neue Rahmenbedingungen für die Ausbildungs – und Erziehungssituation zu schaffen: Dies betrifft auch die Verbesserung der Medienkompetenz der Bildungsakteure wie Lehrer, Erzieher aber auch Eltern.

    Dabei sollten die Inhalte der Medienkompetenzausbildung verstärkt den Fokus auf die Bedeutung des eigenen Handelns im Netz legen beispielsweise darauf, inwiefern das Internet immer stärker zum Sozialisations- & Lernmedium wird z.B. über Peers aus dem Netz und in welcher Art und Weise das Internet Individuum & Gesellschaft insgesamt verändert.

    Zwei Punkte sind bezüglich des Präventionsmanagements besonders bedeutsam:

    1. Die Aufklärung & Sensibilisierung über Gefahren, Risiken aber auch Nutzen und Chancen des Cyberspace.

    2. Eine altersgerechte Medienerziehung, die in den Kindergärten bereits beginnt und in den Schulen implementiert wird.

    Dies kann erreicht werden durch:
  • in den Schulen Medienkompetenzunterricht, resp. bestimmte Unterrichtsfächer zum Thema öffnen (z.B. Ethik), hierzu liegen auch Programme vor (z.B. Medienhelden; Medien-Präventionstag Katzer, Heinrichs 2011)
  • obligatorisches  Lehrfach „ Medienerziehung“ an allen Schulen einrichten, wobei nicht nur das reine Handling mit den Tools im Vordergrund steht, sondern  Themen, die sich mit der Medienpsychologie und Medienpädagogik befassen (z.B. die Identitätsbildung Jugendlicher durch den Kontakt zu Peers aus dem Cyberspace, die Suche Jugendlicher nach ihrer Identität im Netz , Gewalt und Aggression im Netz, Arbeit & Beruf u.s.w.).
  • in den Schulen Angebote zum Opferschutz (z.B. über Weißer Ring) bekannt machen
  • Gremien an Schulen einrichten zur Mediennutzung, die auch durch mit Schülern sowie Eltern besetzt ist
  • Peer to peer education an den Schulen verstärken zum Thema Neue Medien und Gewalt (Medien-Coaches, Internet-Scouts: Jugendliche, die Jüngere aufklären und anleiten)
  • an jeder Schule eine Person als Medienbeauftragter, der die auch die rechtlichen Hintergründe im Umgang mit Cybermobbing kennt sowie gesamtschulisches, einheitliches Vorgehen gegen Cybermobbing (präventiv) und bei konkreten Vorfällen
     

Wie sieht ein Präventionsmanagement konkret aus?

  • Schüler in ihrem Selbstbewusstsein stärken: Kinder und Jugendliche, die lernen selbstbewusst und selbstbestimmt zu agieren, werden sich in schwierigen Situationen besser zu helfen wissen. Sie werden sich weniger als gesamte Person verletzt fühlen und können in der Regel gelassener an eine solche Situation herangehen.
  • Vertrauen aufbauen: Ein gutes Vertrauensverhältnis wirkt stärkend und unterstützt Kinder und Jugendliche positiv. Damit ist auch verbunden, dass sich betroffene Schüler im Falle des Falles schneller an einen Erwachsenen wenden werden, zu dem sie Vertrauen haben.
  • Opfern eine Lobby geben: Es gibt nichts Schlimmeres für Kinder & Jugendliche als „Opfer“ zu sein-  deshalb musws klar sein, dass Mobbing an der Schule keine Chance hat- die Täter werden zur Verantwortung gezogen und den Opfern wird geholfen!
  • Schulkultur des Helfens einführen. Helfen ist cool- Mobben ist uncool!
  • Schulregeln aufstellen: Ist in der Haus-/Schulordnung Cybermobbing aufgegriffen und thematisiert, ist später leichter damit umzugehen. Je transparenter das Thema von vorn herein behandelt wird, desto einfacher ist es, damit im konkreten Fall konstruktiv umzugehen.
  • Online-Kummerkasten: Es empfiehlt sich einen “Kummerkasten” einzurichten, so dass Schüler anonym von Fällen berichten können (z.B. in Form einer E-Mail-Adresse oder einem Briefkasten). Achtung: Dieser Kummerkasten könnte auch zum „Anschwärzen“ von anderen Schülern missbraucht werden.
  • Peer to peer Education: Da Cybermobbing sich in der Regel zwischen Gleichaltrigen abspielt, kann eine Unterstützung im Kreis der Schüler hilfreich sein. In vielen Fällen scheinen sich die Opfer eher einem vertrauenswürdigen Mitschüler anzuvertrauen als einem Erwachsenen.

     

Weiterführende Links

polizei-beratung.de

Auf dem Online-Portal der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes sind Tipps zum richtigen Verhalten bei Cybermobbing zu finden. Das Beratungsangebot klärt über die Folgen für Täter und Opfer auf und enthält zudem nicht nur Verhaltensratschläge für betroffene Schüler, sondern auch für Lehrerinnen und Lehrer.


klicksafe.de

Im Auftrag der Europäischen Kommission ist klicksafe eine Sensibilisierungskampagne zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und neuen Medien. Eltern und Pädagogen finden die wichtigsten Informationen zu Risiken und Chancen des Internets zusammengefasst.


Internetbeschwerdestelle.de

Wenn Du im Internet auf Angebote gestoßen bist, die Du für illegal, jugendgefährdend oder entwicklungsbeeinträchtigend hälst, sende Deine Hinweise bitte an die E-Mail-Adresse hotline@jugendschutz.net. Auch anonyme Hinweise werden bearbeitet.


jugendschutz.net

jugendschutz.net kontrolliert das Internet und sorgt für die Einhaltung des Jugendschutzes. Hinweise auf Verstöße werden über eine Beschwerdestelle (Hotline) entgegengenommen. Um Eltern bei der Medienerziehung zu unterstützen, gibt jugendschutz.net praxisnahe Hilfestellungen weiter.


mobbing.seitenstark.de

Mobbing.seitenstark.de bietet Informationen über Mobbing und Cybermobbing, Verhaltensratschläge für Opfer und Täter, Links und Adressen. Vor allem aber bietet die Seite in einem Erzählforum die Möglichkeit, sich über Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen. Eine umfangreiche Literaturliste zum Thema ergänzt das Angebot.


nummergegenkummer.de

Nummer gegen Kummer e.V. ist die Dachorganisation des größten telefonischen und kostenfreien Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern. Hier wird anonym und kostenlos geholfen, damit aus Fragen und kleinen Sorgen keine großen Probleme und Krisen werden.